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Ausgabe 8, Februar 2022

Atomdebatte: Gehen in Frankreich irgendwann die Lichter aus?

Was hat Kernenergie mit Coronamasken, Chipmangel und Ölkrise zu tun?

Die Argumente für und gegen Atomkraftanlagen sind eigentlich längst alle ausgetauscht worden. Das Versprechen, dass Atomkraftwerke sicher seien und dass Atommüll kein Problem sei, hat sich schlicht als schamlose Lüge erwiesen. Aber es gibt zu jederzeit Menschen, die Fakten ignorieren und nicht die endlose Zahl möglicher Restrisiken begreifen. Sie meinen, wie ein Herrscher alles beherrschen zu können.

Versorgungssicherheit?

Der Glaube, mit Atomkraftwerken eine „Versorgungssicherheit“ herstellen zu können, ist ein Trugschluss. Die Befürworter sehen darin die unbegrenzte und kontinuierliche Versorgung mit (angeblich) billigen Atomstrom. Die neuen Erkenntnisse, die wir in den letzten zwei Jahren gemacht haben, müssten uns aber warnen: Versorgungssicherheit bezieht sich heute nicht mehr alleine auf die Lieferung des Stroms: Versorgungssicherheit basiert heute auf einer wichtigen Voraussetzung: Die Verfügbarkeit der unverzichtbaren Rohstoffe, um Strom herstellen zu können. Versorgungssicherheit muss heute umfassender, das heißt neu gedacht werden. Wer über 70 % Strom aus 56 Atomkraftwerken bezieht, braucht Uran aus fremden Ländern! Aber das Einzige, was die wir selber haben, ist nur unsere Sonne. Sie bewegt alles.

Abhängig vom Brennstoff Uran

Unsere Autos fahren nicht, wenn es kein Öl, kein Lithium oder keine seltenen Erden gibt. Medizinische Schutzmasken fehlen, wenn das Herstellerland diese selber braucht (Wenn Chips fehlen, stehen uns keine elektronischen Geräte mehr zur Verfügung). Und wir sitzen im Kalten, wenn das Gas ausbleibt. Nicht auszudenken, wenn die ausgebeuteten Länder keine Futter- und Düngemittel mehr liefern.

Solche Szenarien würden erdbebenartig Verwerfungen auslösen, die unser Staatssystem von innen angreifen, weil wir nicht mehr verstehen können, dass nicht alles immer und überall verfügbar sein wird.

Je mehr Rohstoffe und Energien wir importieren,
je mehr werden wir erpressbar.
Das gilt auch für den atomaren Brennstoff!

Altes Denken

Neben anderen Staaten will Frankreich weitere Atomkraftwerke bauen. Das sei Klimaschutz und so würde die Versorgungssicherheit hergestellt. In Wirklichkeit macht sich das Land abhängig. Ohne Uran aus dem Ausland entsteht kein Strom.

Staaten mit wertvollen Rohstoffen haben massive Probleme mit Begehrlichkeiten der „großen Brüder“. Die Menschen leben häufig in Armut und Demokratiebewegungen werden unterdrückt (Beispiel Kasachstan). Wer Frieden will, der muss Energie und Wohlstand da erzeugen, wo die Menschen leben. Ansprüche und Verbrauch müssten so eingeschränkt werden, dass es passt. Grenzenloses Wachstum gibt unsere Erde nicht her. Es ist Zeit, unsere Abhängigkeiten zu erkennen und jede Möglichkeit nutzen, um uns davon zu befreien.

Alternative Energien schaffen nicht nur besseres Klima,
sondern sichern auch die Unabhängigkeit,
Spielräume für freie Entscheidungen und Frieden.

Russisches Roulette

Die ursprünglich geplanten Laufzeiten von Atomanlagen werden ständig verlängert. Abgeschriebene Anlagen werfen satte Gewinne ab. Das Ende eines AKWs wird dann danach festgelegt, wenn sich Störfälle und Schäden häufen. Genauso handeln wir bei gebrauchten Autos: Was zählt, sind die Kosten. Wie hoch das Restrisiko eingeschätzt wird, lässt sich leicht ableiten:

  • AKWs werden bevorzugt an Staatsgrenzen, unter der Berücksichtigung vorwiegender Windrichtung aus dem Westen, gebaut.
  • AKWs werden in wenig besiedelten Landstreifen errichtet.
  • Große Rückversicherer vermeiden es, AKWs umfänglich zu versichern.
sicher – todsicher – sicher tot?

Das mittlerweile bewiesenen Risiko der Atomkraft besteht darin, dass eine große Zahl von Menschen erkranken oder sterben. Und wenn dieser Fall mal wieder eintritt, muss ich mich doch fragen, was ICH dazu beigetragen habe...

Die eigentliche Gefahr ist unsere Sorglosigkeit!

Ethische Geldanlage

Wenn ich mein Geld zu irgendeiner Bank trage, kann ich nicht wissen, ob mein Geld zu einer besseren oder schlechteren Welt beiträgt. Banken finanzieren Großkonzerne und nicht nur Häuschenbauer!

Ethische und nachhaltige Geldanlagen verhinderten bisher, dass meine Ersparnisse in unanständige Projekte fließen. Setzt sich die EU-Taxonomie jetzt durch, wird zukünftig die Atomenergie als grüne und nachhaltige Energieerzeugung eingestuft. Wer eine ethische Anlageform wählt, muss prüfen, ob AKWs ausdrücklich ausgeschlossen sind.

Produkt = Strom

In jedem Konsumgut steckt Energie in Form von Strom. Je mehr ich konsumiere, je mehr erhöhe ich meinen externen Stromverbrauch. Je öfter und je mehr ich ohne Sorge entsorge, je mehr vernichte ich gebundene Energie. Alles hängt mit allem zusammen. Die Wachstumsbefürworter und Gewinner behaupten weiter, ohne Wachstum gehen die Lichter aus. In Wirklichkeit gehen uns die Ressourcen und Energien aus. Der Overshoot Day (Übernutzungstag) für Deutschland war am 03.05.2021. An diesem Tag hatten wir bereits die Ressourcen verbraucht, die uns die einzige Erde pro Jahr zur Verfügung stellt.

Ob Fast-Fashion, Fast-Food, Unterhaltungselektronik, Möbel, Autos – in allen Produkten steckt (schmutzige) Energie. Täglich hätte ich die Wahl: Will ich mit meinem Geldschein (Wahlschein) Gutes oder Schlechtes möglich machen? Am Regal endet die Moral?

EU-Taxonomie

Die EU wird Atomkraftwerke als nachhaltig einstufen. Sie möchte damit die Wirtschaft motivieren, in klimafreundliche Technologien zu investieren. Für Deutschland bedeutet das, dass wir diese Risikotechnologie zu 20 % mitfinanzieren müssen (Deutschlandfunk 02.02.2022). Das geschieht durch unsere Steuern und Abgaben wie z. B. EU-Beiträge, Beihilfen, Förder- und Forschungsgelder, Abschreibungen usw.

Deutschland finanziert zu 20 % ausländische AKWs

Neue Atomkraftwerke sind nicht klimafreundlich. Bis die neuen Meiler ans Netz gehen können, haben wir längst die Klimawende verpasst (Entwicklung und Bauzeit 10 - 20 Jahre). Verschiedene Klimakipppunkte sind da bereits überschritten. Nur Solar- und Windkraftanlagen können in relativ kurzer Zeit ans Netz gehen, wenn wir es wollen.

Wenn AKWs nach den Regeln der Taxonomie als Lösung gegen den Klimawandel eingestuft werden, bedeutet das Folgendes:

  • Beschränkte Wahrnehmung auf nur einen Aspekt statt einem vollumfänglichen Betrachtungshorizont.
  • Mangel an Weitblick und Vorsorge für die Zukunft.
  • Festklammern an Wachstumsphantasien trotz begrenzter Ressourcen.

Die Vielfalt eines Ganzen wäre auf nur einen einzigen Aspekt reduziert. Wir kennen das schon:

„Wald ist nichts weiter als Holz.
Erde ist eine Halterung für Pflanzen.
Insekten sind Schädlinge.

Maria Göpel: Unsere Welt neu denken (ISBN: 9783550200793)“

Hier offenbart sich der Fehler eines auf grenzenloses Wachstum ausgerichtetes Wirtschaftsmodell. Dazu gehört jetzt auch:

Kernkraft ist nichts anderes als klimafreundlich.

Umweltschutz

Es gibt keine Um-Welt um uns herum. Der Mensch gehört dazu. Wir sind mittendrin! Und wenn die Uhren nun wieder zurückgestellt werden und Atomkraft als klimafreundlich gefeiert und finanziell gefördert wird, worin wird dann noch das Interesse an grünen Energien bestehen?

Atomkraftwerke verhindern neue Lösungen und erzeugen alte Probleme!

Generationengerechtigkeit

Wer Atomstrom kauft, erzeugt Atommüll. Kindern und Kindeskindern ist es nicht möglich, dein gefährliches Erbe auszuschlagen.

Kinder werden entmündigt

Nur zwei Generationen haben wir die vermeintlich billige Atomkraft genutzt. Dafür muss der Müll jetzt 30.000 Generationen todsicher verwahrt werden! Das übertrifft jede Vorstellungskraft. Vor „nur“ 2.000 Generationen ist der Mensch aus Afrika in Europa eingewandert.

machsanders.eu

  • entdecke Stromsparmöglichkeiten im eigenen Haus.
  • Nutze große Stromverbraucher außerhalb der Spitzenlastzeiten.
  • Informiere dich über sauberen Naturstrom
  • Finanziere keine Risikotechnik mit Ewigkeitskosten (Müll).
  • Überdenke dein Konsumverhalten (Suffizienz).
  • Nimm Einfluss auf die Politik für eine bessere Welt.

Das Thema habe 1986 eine eigene Musikproduktion gewidmet. Neugierig? Kopfhörer aufsetzen und überraschen lassen.

 

„Reaktorbrand im Elfental“, Traumspiel, Sound & Vision, 1986
Komposition und Produktion: Hans Hoffmeister